Startschuss für das Quartier Zukunft

Hans-Peter_Scheerer_100Ein Forschungsprojekt für neue Wohndienstleistungen / Drei Kandidaten zur Auswahl

Von Hans-Peter Scheerer

Smart Home ist in aller Munde. Doch in Rüsselsheim am Main wird das intelligente Zuhause für ein ausgewähltes Wohnprojekt in besonderem Maße Wirklichkeit. Im „Quartier Zukunft“ dürfen sich die Bewohner auf Verbesserungen in ihrem Wohnumfeld freuen. Was das für Vorteile bringt, wie dieses Quartier ausgewählt wird und was es mit diesem aus Bundesmittel geförderten Forschungsvorhaben auf sich hat, erläutert der nachfolgende Beitrag.
Wie sieht das Projekt aus?

Stadtwerke Rüsselsheim - Quartier Zukunft

Stadtwerke Rüsselsheim – Quartier Zukunft

Wie sieht das Projekt aus?

Die Stadtwerke Rüsselsheim möchten mit vier Partnern aus Wissenschaft und Technik das Wohnumfeld von Menschen mit neuen und modernen Dienstleistungen verbessern. Dazu haben sie das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Forschung unterstützten Vorhabens „Quartier Zukunft“ ins Leben gerufen. Sein Ziel ist die Entwicklung eines Systems aus Sensoren und IT für zukünftige Wohnquartiere, das die dort erhobenen Daten bündelt, aufbereitet und als Grundlage für neue Dienste bereitstellt. Begleitet wird das Forschungsvorhaben durch einen Nutzerdialog und die Prüfung von ökonomischen Modellen.

Welche Dienstleistungen sollen entstehen?

Forschungsprojekt Quartier Zukunft

Forschungsprojekt Quartier Zukunft

Wäre es nicht schön, im Voraus zu wissen, wo zu Hause noch ein freier Parkplatz ist? Oder bereits im Mai zu erfahren, welche Rückzahlung für den Strombezug am Ende des Jahres zu erwarten ist? Oder im eigenen Smart Home bei der automatischen Steuerung von Rollladen und Heizung auf zentrale Wetterdaten aus dem Quartier zugreifen? Diese Dienstleistungen sollen im Forschungsvorhaben Quartier Zukunft in Rüsselsheim am Main entstehen.

Außerdem sind Dienste geplant, die die Nutzung von dezentral erzeugtem Strom verbessern und den Bewohnern im Quartier konkrete und individuelle Hinweise auf Energieeinsparung geben. Schließlich werden die Bewohner im Quartier noch ein eigenes Quartiersnetzwerk für Kommunikation und Nachbarschaftshilfe erhalten.
Schließlich werden öffentliche Daten aus dem Quartier – zum Beispiel die Witterungsdaten und die Parkplatznutzung auch öffentlich bereitgestellt (Open Data).

Wo soll das Quartier Zukunft entstehen?

Quartiere in der Auswahl

Quartiere in der Auswahl

Das steht noch nicht endgültig fest! Die Stadtwerke Rüsselsheim haben aufgrund folgender Kriterien eine Vorauswahl von drei Quartieren getroffen:

  • Eine räumliche Abgrenzung des Quartiers muss möglich sein.
  • Es muss öffentliche Parkplätze im Quartier geben.
  • Es müssen Freianlagen zur gemeinsamen Nutzung für die Bewohner vorhanden sein.
  • Die Größe sollte circa 100 Wohneinheiten betragen.
  • Es muss im Ausbaugebiet der Glasfaserversorgung liegen.
  • Es sollte für Rüsselsheim am Main typische Mehrfamilienhäuser enthalten.
  • Es sollte kein Gewerbegebiet sein, Wohnen muss deutlich überwiegen.

Daraus wurden folgende Quartiere identifiziert:

A) in der Böllenseesiedlung

Rüsselsheim: Böllenseesiedlung

Rüsselsheim: Böllenseesiedlung

B) im Dicker Busch I

Rüsselsheim: Dicker Busch

Rüsselsheim: Dicker Busch

C) der Horlache-Park in Haßloch-Nord

Rüsselsheim: Horlache-Park

Rüsselsheim: Horlache-Park

Um daraus das Quartier der Zukunft auszuwählen, werden in allen drei Gebieten Umfragen durchgeführt und die Ergebnisse ausgewertet. Das Quartier mit dem größten Interesse der Bewohner wird dann den Zuschlag erhalten.

Welche Vorteile haben die Bewohner im Quartier Zukunft?

Smart Home

Smart Home

Im Gebiet wird von den Stadtwerken einiges an Technik installiert, die auch nach Projektabschluss erhalten bleibt. So wird ein öffentliches WLAN installiert, es wird eine Ladesäule für Elektromobilität errichtet, zentrale Sensoren für Temperatur, Sonneneinstrahlung und Lärm geben ihre Daten an alle Bewohner weiter und jede Wohnung erhält ein Display zur Nutzung der Dienste. Außerdem werden die Stadtwerke moderne Zähler mit Datenübertragung für Strom, Wasser und Gas einbauen.

Einen dauerhaften Nutzen für alle Einwohner der Stadt stellt die Smart-City-Plattform dar, die vielfältige weitere Aufgaben übernehmen kann, zum Beispiel in der Verkehrssteuerung.

Welche Unternehmen machen beim Quartier Zukunft mit?

Die Stadtwerke haben starke Partner für dieses Projekt an ihrer Seite.

Partner für dieses Projekt

Partner für dieses Projekt

Neben den Fraunhofer-Instituten für offene Kommunikationssysteme (FOKUS) aus Berlin  und für Software-Systemtechnik (ISST) aus Dortmund   sind das

Förderung durch den Bund

Förderung durch den Bund

Softwareunternehmen Urban Institut (ui!) aus Darmstadt und die Stadtwerke-Kooperation Trianel aus Aachen beteiligt.

Gemeinsam haben Sie 2017 einen Forschungsantrag an das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie  gerichtet, der sich trotz starkem Wettbewerb in dem Programm „Smart Service Welt II“ durchsetzen konnte.

Wie können andere Unternehmen vom Quartier Zukunft profitieren?

Die Entwicklungen für das Quartier Zukunft sollen möglichst breit genutzt werden. Deshalb wird die Möglichkeit Dritter zur Beteiligung fest eingebaut. Es entsteht eine Plattform für Diensteanbieter. Die Zugangshürden dazu sollen möglichst niedrig sein. Gewerbetreibende aber auch interessierte Laien können mit den Daten der Plattform eigene Dienste entwickeln und anbieten.

Plattform für Dienstanbieter

Quartier Zukunft: Plattform für Dienstanbieter

Wie lange dauert das Projekt?

Die Projektlaufzeit beträgt voraussichtlich drei Jahre. Der Start war offiziell am 1. April 2018, circa ein Jahr später wird mit der Installation der Komponenten im Quartier begonnen und zwei Jahre nach Beginn wird ein erster Pilotbetrieb die geplanten Funktionen zeigen.

Voraussetzung, dass das Projekt zu Ende geführt wird, ist eine ausreichende Akzeptanz, die nach einem Jahr Laufzeit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gegenüber nachgewiesen werden muss.

Das erste Jahr des Projektes dient der Vorbereitung und Planung der Maßnahmen, die anschließend umgesetzt werden, sofern die erforderliche Akzeptanz durch die Bewohner gegeben ist.

Wer darf mitreden im Quartier Zukunft?

In erster Linie die Bewohner und Eigentümer der Gebäude. Daneben wird ein Projektbeirat gegründet, in dem außerdem diesen beiden Gruppen noch Experten und Vertreter von Interessengruppen den Sachstand und Vorschläge zum Projekt diskutieren. Der Beirat wird öffentlich tagen.

Quartier Zukunft - Das Logo

Quartier Zukunft – Das Logo

Was kostet das Quartier Zukunft?

Insgesamt werden die Unternehmen und das Ministerium ca. 3,8 Mio. Euro über die gesamte Projektlaufzeit ausgeben. Davon fließt das meiste Geld in die Entwicklung der Plattform, bsp. werden für die verschiedenen Sensoren und Elemente Verbindungen programmiert, Algorithmen entwickelt und die wichtige Frage der Datensouveränität integriert. In das Quartier selbst werden über 100 T€ dauerhaft investiert.
Die Stadtwerke Rüsselsheim geben rund 450.000 Euro für das Vorhaben aus. Geschäftsführung und Aufsichtsrat der Stadtwerke sind überzeugt, dass dieses Geld eine gut angelegte Investition in die Zukunft ist. Als Infrastrukturdienstleister möchten die Stadtwerke, die ohnehin schon für das Glasfasernetz in der Stadt verantwortlich sind, auch an den Diensten und Geschäftsfeldern partizipieren, die mit einer Smart City verbunden sind. Zudem ist es für die Stadtwerke wie auch für die Stadt Rüsselsheim ein Vorteil, wenn mit einer Summe von 450.000 Euro mehr als das Achtfache an Investition und Wissenstransfer erreicht werden kann.

Was wird mit dem Datenschutz?

Für das Quartier der Zukunft wird ein hoher Standard des Datenschutzes technisch eingebaut. Hand aufs Herz: Wie viele Daten geben Sie freiwillig den großen IT-Unternehmen wie Google, Facebook, Microsoft, Apple usw. bekannt? Die Stadtwerke möchten dieser unkontrollierten Datenfreigabe ein Modell der Datensouveränität gegenüberstellen: Die Bewohner im Quartier können auf einfache Art entscheiden, wer welche Daten erhält und können die Weitergabe auch wieder einfach beenden. Möchten Sie einem Dienstleister erlauben, ihren Stromverbrauch zu analysieren, um sich begründete Einsparvorschläge zu machen? Möchten Sie einen Dienstleister beauftragen, während des Urlaubs ihren Wasserverbrauch zu überwachen, um Überflutung zu erkennen? Sie entscheiden selbst wem sie das gestatten und wie lange! Datensouveränität heißt Datenschutz nach Bedarf, statt starrer Verbote.

Wie fällt das Fazit aus?

Das Quartier Zukunft bietet für Rüsselsheim am Main eine große Chance, bei der Entwicklung einer Smart City ganz vorne dabei zu sein. Die Bewohner des ausgewählten Quartiers profitieren davon in besonderem Maße, zumal sie die benötigte Technik und die Services kostenlos be-kommen. Doch auch das restliche Stadtgebiet wird von den Erkenntnissen und Erfahrungen profitieren und über Open Data schon in der Projetphase eingebunden sein. Die Stadtwerke Rüs-selsheim wiederum eröffnen sich mit der Teilhabe an diesem Forschungsvorhaben gute wirt-schaftliche Perspektiven. Insofern ist es sehr positiv zu beurteilen, dass es in der Bewerbungs-phase trotz starker Konkurrenz gelungen ist, das Quartier der Zukunft nach Rüsselsheim am Main zu holen.

Sie wünschen mehr Informationen:
www.quartier-der-zukunft.de
Telefon: 06142.500-505
Mail: zukunft@stadtwerke-ruesselsheim.de


Jetzt zu unserem Newsletter anmelden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.