Wie ökologisch ist Styropor oder ist es zum Schluss Sondermüll?

Hans-Dieter-Scherer_Gerbig
Wärmedämmung – Mythos und Wahrheit, Teil 9

Von Hans Dieter Scherer-Gerbig

Manche Hauseigentümer befürchten, eine Dämmung der Außenwände mit Polystyrol – allgemein bekannt als Styropor – sei aufgrund der Materialherkunft ökologisch nicht sinnvoll. Die Bedenken bestehen wegen der aufwändigen Herstellung und weil es am Ende Sondermüll wäre. Der nachfolgende Beitrag geht der Frage nach, ob es besser ist, andere Dämmstoffe einzusetzen.

Polystyrol (Kurzzeichen PS) ist ein transparenter, geschäumter, meist weißer Standardkunststoff, der sehr vielseitig im Alltag eingesetzt wird.

Polystyrol (Kurzzeichen PS) ist ein transparenter, geschäumter, meist weißer Standardkunststoff, der sehr vielseitig im Alltag eingesetzt wird.

Welche Dämmstoff Kategorien gibt es?

Die Zusammensetzung von Dämmstoffen lässt sich grob in drei Kategorien einteilen:

  • mineralisch
  • synthetisch
  • nachwachsend

Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen (nawaRo) sind beim Ressourcenaufwand qualitativ klar im Vorteil. Schaut man allerdings auf den Energieaufwand bei der Herstellung, ist die Bilanz nicht mehr so eindeutig. Dämmplatten aus Holzfasern benötigen beispielsweise ähnlich viel Energie bei der Produktion wie solche aus Polystyrol. Durchweg gilt jedoch, dass alle Dämmstoffe während ihrer Nutzungszeit am Gebäude ein Vielfaches der Energie einsparen, die für ihre Erzeugung eingesetzt wurde.

Wie werden Dämmstoffes ökologisch bewertet?

Bei einer ökologischen Bewertung von Dämmstoffen werden in der Regel die folgenden Kriterien untersucht:

  • Die Inhaltsstoffe sowie der Ressourcen- und Energieverbrauch bei der Produktion
  • Die Energieeinsparung und weitere Gesichtspunkte während der Nutzungsphase
  • Die Möglichkeiten der Verwertung und Entsorgung
Polystyrol geschäumt

Polystyrol geschäumt

Warum braucht es Zusatzstoffe und wie wirken diese?

Es gibt praktisch keinen Dämmstoff, der nur einen Bestandteil enthält. Wegen der verschiedenen Anforderungen im Hinblick auf Brandschutz, Feuchtebeständigkeit und Druckfestigkeit werden Zusatzstoffe beigemischt. Natürliche Dämmstoffe werden zum Beispiel oft mit Grundwasser kritischem Borsalz zum Brandschutz und gegen Insektenbefall behandelt. Bor kann bei nicht ausreichend gesicherten Haus- oder Sondermülldeponien in Boden und Grundwasser gelangen. Das schließt beispielsweise auch bei Dämmplatten aus nawaRo eine Wiederverwertung oder einfache Entsorgung oft aus.

Bei der Entsorgung von mineralischen Dämmstoffen gilt, dass sie in der Regel auf speziellen Bauschuttdeponien eingelagert werden. „Nachwachsende“ und synthetische Dämmstoffe werden meist thermisch verwertet – also verbrannt. Damit kann ein beachtlicher Anteil der Energie, die der Dämmstoff beinhaltet, wiedergewonnen werden.

Welche Gefährdungen gibt es?

Die Diskussionen vergangener Jahre rankten sich häufig um das Flammschutzmittel
HBCD in den Dämmplatten aus Polystyrol. Solche Mittel sind zum Beispiel bei unsachgemäßer Entsorgung

Fassadendämmung mit Polystyrol

Fassadendämmung mit Polystyrol

Gewässer gefährdend. Durch die Langlebigkeit können sie sich in Wasserlebewesen anreichern. Für den Menschen sind sie jedoch nicht akut giftig. Der Stoff ist in den Dämmplatten so gebunden, dass die Bewohner der gedämmten Häuser keine negativen Beeinflussungen zu befürchten haben.

Dennoch und zu Recht: Seit März 2016 sind Produkte mit HBCD in der Europäischen Union weitgehend verboten. Restbestände durften noch bis Juni 2016 verkauft werden. Die deutsche Dämmstoffindustrie hat ihre Produktion inzwischen komplett auf unproblematische Flammschutzmittel (Polymer-FR) umgestellt.

Werden Polystyrol Dämmplatten über die Müllverbrennung verwertet, so werden diese Flammschutzmittel vollständig zersetzt und die Verbrennungsüberreste von den Filtern erfasst. Inzwischen gibt es Verfahren zur chemischen Abtrennung des Polystyrol von Kleber und Putz, sodass es wiederverwendet werden kann.

Was ist mit nachwachsenden Rohstoffen?

Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen schneiden bei einer Gesamtbewertung sicher am besten ab. Dennoch sollte man Dämmplatten nicht einfach in Schwarz-Weiß einteilen. Beispielsweise sind auch die Bedingungen beim Anbau von Baumwolle oder die weiten Lieferwege von Schafwolle aus Neuseeland kritisch einzuschätzen. Zudem ist es kaum möglich, mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen, die dringend nötige energetische Gebäudesanierung in Deutschland nur durch naturnahe Dämmstoffe zu bewältigen. Aus all diesen Gründen ist die Verwendung von Wärmedämmverbundsystemen aus Polystyrol mehr als vertretbar – nicht zuletzt auch aus Kostengründen.

Wie fällt das Fazit aus?

Betrachtet man die gesamten Sachverhalte von Polystyrol, so überwiegen die ökologischen Vorteile wegen der hohen Energieeinsparung und der Reduktion des CO2-Ausstoßes während der jahrzehntelangen Nutzung. Viele Dämmstoffe werden am Ende ihres Lebenszyklus verbrannt. Bis 2016 hergestellte Dämmstoffe mit HBCD als Flammschutzmittel sind so eingebaut, dass sie keinen unmittelbaren Schaden anrichten können. Damit die Klimaschutzziele, als auch Energie- und Kosteneinsparungen erreicht werden können, werden alle Dämmstoffe gebraucht – auch Schaumkunststoffe.


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