Die Photovoltaikanlage auf dem Balkon

Konrad Sobich

Eine Anleitung wie jeder Geld sparen und einen Beitrag zur Energiewende leisten kann

Von Konrad Sobich

Noch ist ihre Zahl überschaubar: Laut Marktstammdatenregister betreiben gerade mal drei Dutzend Haushalte im Kreis Groß-Gerau ein eigenes Balkonkraftwerk. Dabei sind die kleinen Photovoltaik-Anlagen nicht teuer. Man kann sie recht einfach installieren und damit Strom für den Eigenbedarf erzeugen. Wie das geht, beantwortet der folgende Beitrag.

Platz ist auf der kleinsten Fläche, wie Diethard Stamm, einer der Pioniere von Balkon-Kraftwerken zeigt. Foto: Klaus Nissen

Was ist ein Balkonkraftwerk?

Ein Balkonkraftwerk ist nichts anderes als eine Mini-PV-Anlage. Sie besteht aus einem oder zwei schwarzen Modulen, die das Sonnenlicht in maximal 600 Watt Strom umwandeln können. Dazu brauche ich einen kleinen Wechselrichter, der den Gleichstrom aus den Modulen in Wechselstrom umwandelt. Durch ein Kabel wandert er über einen speziellen Stecker in den Stromkreis meines Haushaltes. Die Anlage findet auf dem Balkon oder der Terrasse Platz. Man kann sie auch mit einer Halterung an die Balkonbrüstung hängen.

Ich persönlich habe vor drei Jahren so eine Mini-Kraftwerk daheim auf das Garagendach gestellt. Es liefert seitdem tagsüber bis zu 340 Watt. Das reicht aus, um den Grundverbrauch meines Kühlschranks, des WLAN-Routers und anderer Elektrogeräte in der Wohnung zu decken. Und liefert auch noch Energie für meinen Laptop, wenn ich im Homeoffice arbeite.

Wozu ist das gut?

Mit dem eigenen Balkonkraftwerk kann ich pro Jahr etwa 250 Kilowattstunden Strom selbst herstellen – gut 16 Prozent des gesamten Strombedarfs. Das senkt die Energie-Rechnung. Der Strom vom Balkon wird mit einer geringfügig höheren Spannung als der Netzstrom in die Leitungen meiner Wohnung eingespeist und so vorrangig dort verbraucht. Der Anschaffungspreis amortisiert sich nach einigen Jahren. Die von vielen Herstellern angebotenen Anlagen mit einem Solarmodul (circa 340 Watt) kosten Stand Juni 2022 etwa 450 bis 600 Euro je nach Montageart Außerdem kann ich mit dem eigenen Solarstrom einen kleinen Beitrag zur Energiewende leisten, die wegen des drohenden Klima-Kollapses und des Ukraine-Krieges ja dringender denn je geworden ist.

Sind Balkonkraftwerke legal?

Dieses Balkonkraftwerk steht zur Montage bereit. Foto: Sobich

Ja – wenn man bestimmte Regeln beachtet. Der Energiesektor ist in Deutschland, wie so viele

Bereiche, von Gesetzen und Regelungen beherrscht. Früher gab es noch keine speziellen Bestimmungen für kleine Fotovoltaik-Anlagen. Die Pioniere stellten die ersten Anlagen in einer rechtlichen Grauzone auf. Deshalb nannte man sie „Guerilla-Fotovoltaik“. Inzwischen sind Anlagen bis 600 Watt Leistung erlaubt. Für sie gilt ein vereinfachtes Anmeldeverfahren. Deshalb können sie von Privatleuten deutlich leichter in Betrieb genommen werden als größere Modulflächen.

Muss ich für mein Mini-Kraftwerk Anträge stellen?

Nein – dafür gibt es keine Formblätter. Aber wenn ich in einer Mietwohnung lebe, muss ich vorher den Vermieter fragen, ob er Solarmodule auf dem Balkon akzeptiert. Wenn nicht, dann wird es vorerst nichts mit dem selbst erzeugten Strom. Vielleicht lässt sich der Vermieter erweichen, wenn ich ihm klarmache, dass die Module und der Wechselrichter einfach hingestellt werden können und keine festen Verbindungen mit dem Haus eingehen müssen.

Wer muss Bescheid wissen, bevor ich ein Balkonkraftwerk installiere?

Die Paragrafen 74a und 76 des Erneuerbaren Energien-Gesetzes (EEG) schreiben vor, dass vor der Inbetriebnahme der Netzbetreiber und der Stromversorger informiert werden muss. In Rüsselsheim also die Stadtwerke an der Walter-Flex-Straße 74. Ein formloses Anschreiben genügt. Die Stadtwerke prüfen, ob ich schon eine moderne Messeinrichtung www.werkbuch-online.de/generationswechsel-in-der-messtechnik, sprich digitalen Stromzähler, habe. Wenn der noch nicht im Hause hängt, muss dieser vorab durch die Stadtwerke Rüsselsheim gewechselt werden. Alte Drehscheibenzähler sind nicht geeignet, denn diese könnten Rückwärtslaufen, wenn ich einmal mehr Solarstrom erzeuge, als ich daheim gerade verbrauchen kann. Anders gesagt: Die Energie darf schon ins Netz, aber der Zählerstand darf sich nicht rückwärts drehen.

Was ist noch zu tun?

Detaillierter Blick auf die Rückseite der PV-Anlage mit dem angeschlossen Wechselrichter.  Foto: Sobich

Außerdem muss ich die Bundesnetzagentur über die Inbetriebnahme informieren. Das geht recht unkompliziert über www.marktstammdatenregister.de.

Weitere Informationen zum Thema gibt es unter https://balkonkraftwerk-vertrieb.de/rechtliches

Gibt es Technische Regelwerke, die ich beachten muss?

Detaillierter Blick auf die Rückseite der PV-Anlage. Foto: Sobich.

Natürlich. Aber das ist nicht schwierig, wenn ich mir beim Kauf bestätigen lasse, dass das Mini-Solar-Kraftwerk vor allem die technischen Normen VDE-AR-N 4105 einhält. Diese Bestimmungen legen zum Beispiel fest, dass die Module keinen Strom mehr liefern, wenn der Hausstrom einmal ausfällt. Damit sind schädliche Rückwirkungen ausgeschlossen.

Kann ich ein Balkonkraftwerk von den Stadtwerken kaufen – und es mir gleich installieren lassen?

Nein – der Vertrieb solcher Anlagen gehört nicht zum Geschäft der Stadtwerke. Im Internet geben die Suchmaschinen Hinweise auf zahlreiche Anbieter. Die Seite www.machdeinenstrom.de listet unter anderem Dutzende Hersteller auf. Die Installation kann ich grundsätzlich selbst vornehmen. Wir empfehlen aber, einen Elektriker damit zu beauftragen.

Mit einem solchen so genannten Wieland-Stecker wird vorzugsweise das Balkonkraftwerk ans Hausnetz angeschlossen. Foto: Nissen

Wie fällt das Fazit aus?

Balkonanlagen treffen den Nerv der Zeit. Man kann mit wenig Aufwand und Kosten einen wirksamen Beitrag zur Energiewende beitragen. Gerade die unbürokratische Anmeldung und der einfache Betrieb stellt nur eine geringe Hürde dar. Die Anlagen amortisieren sich und sind für viele eine gut verträgliche Investition. Auch für technisch Interessierte bieten solche Anlagen den Einstieg in die Energieerzeugung und die Optimierungen des Eigenverbrauchs. Leider sind aber aktuell die Lieferzeiten für solche Balkonanlagen stark gestiegen.

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