E-Carsharing im Quartier der Zukunft

Bewohnern im „Horlache-Park“ steht eine Ladestation und ein Opel Corsa-e zur Verfügung

Von Maik Landwehr

Wie kam es zu der Carsharing-Station?

Rüsselsheims erste Elektroladesäule im öffentlichen Raum steht jetzt im „Quartier der Zukunft“ (QuarZ). Damit verbunden ist eine Carsharing-Station: Bewohner aus dem „Horlache-Park“ können sich einen Opel Corsa-e ausleihen. Der Horlache Park ist für ein Forschungsprojekt ausgewählt worden, bei dem das Wohnquartier digital vernetzt wird, Unterstützt wird das rund 3,8 Millionen Euro teure QuarZ-Programm, das die Stadtwerke mit vier Partnern aus Wissenschaft und Technik betreiben, vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. In diesem Beitrag wird erläutert, was es mit dem E-Carsharing und der Ladesäule auf sich hat.

Historischer Moment: Die Inbetriebnahme der ersten Ladestation im öffentlichen Verkehrsraum durch die Geschäftsführer der Stadtwerke und der gewobau, Hans-Peter Scheerer (links) und Torsten Regenstein (rechts) zusammen mit Projektleiter Maik Landwehr.

Wie kam es zu der Carsharing-Station?

Im Quartier der Zukunft, das seit April 2018 läuft und auf drei Jahre ausgelegt ist, haben wir mehrere digitale Dienste eingerichtet: von intelligenten Gas-, Strom- und Wasserzählern (Smart Meter) über eine digitale Wetterstation samt Schallpegelmesser bis zum WLAN-Netz. Nun also ist auch Carsharing hinzugekommen. Geplant war ursprünglich nur eine Ladesäule. Doch in Interviews, die wir 2019 mit den Bewohnern führten, haben wir einen Bedarf an E-Carsharing erkannt: Viele Befragte haben sich ein solches Angebot gewünscht, um Elektromobilität im Alltag ausprobieren zu können. Beispielsweise, um mal elektrisch zum Einkaufen zu fahren oder die Erfahrung zu sammeln, wie es ist, auf Carsharing umzusteigen und kein eigenes Auto mehr zu haben. Diesen Wunsch haben wir gerne aufgegriffen, haben Projektgelder umgewidmet und uns auf den Weg gemacht, Partner für unser Vorhaben zu gewinnen.

Wer hat alles mitgewirkt?

Die Ladesäule vor dem Haus Nummer 14 in der Moritz-von-Schwind-Straße haben wir selbst installiert. Mit der Opel Automobile GmbH, die uns schnell und unkompliziert einen Corsa-e zur Verfügung gestellt hat, haben wir den großen Rüsselsheimer Autobauer an Bord. Die Mobileeee GmbH, ein Frankfurter Elektro-Carsharing-Spezialist, stellt die notwendige Software für die Mobilitätsstation bereit. Auch die Rüsselsheimer gewobau, die Vermieterin von rund der Hälfte der Wohnungen in dem Quartier ist, unterstützt unseren neuen Dienst.

Der Lageplan vom Quartier der Zukunft.

Wie lief das Genehmigungsverfahren?

Da die Ladesäule die erste in Rüsselsheim ist, die sich im öffentlichen Raum befindet, musste erst einmal eines geklärt werden: Welche Genehmigungen braucht man eigentlich dazu? Denn auf vorherige Erfahrungen konnten die Beteiligten nicht zurückgreifen. Mehrere städtische Ämter waren bei diesem Prozess beteiligt – vom Tiefbau-, Straßenverkehrs- bis zum Umweltamt. Bis alle Genehmigungen eingeholt waren und wir die Ladestation aufstellen konnten, verging ein halbes Jahr.

Für wen ist die Mobilitätsstation bestimmt?

Nutzen können das Carsharing-Angebot zunächst ausschließlich die Bewohner im Quartier. Für sie ist dieser Dienst erst einmal kostenfrei. Nach etwa einem Jahr wollen wir dann auf kostenpflichtiges Carsharing umstellen.

Dieses Auto steht fürs E-Carsharing zur Verfügung.

Wie funktioniert das Ausleihen?

Die Bewohner müssen sich samt ihrer Führerscheindaten einmalig registrieren. Danach können sie den Corsa-e, der an der Station bereitsteht, für maximal einen Tag mittels einer App buchen. Und nur dort, am Ort der Ausleihe, kann man das Auto auch wieder abstellen und die Buchung beenden. Um den Nutzern deutlich zu machen, dass das Carsharing auf Dauer nicht gratis sein wird, werden ihnen die Kosten angezeigt. Aber sie bekommen eine Gutschrift in gleicher Höhe.

Was sind die nächsten Aktivitäten?

Begleitet wird das Angebot durch verschiedene Veranstaltungen. Es wurden zudem vor Ort Bewohner als Ansprechpartner etabliert. Wir geben den Anwohnenden damit möglichst umfangreiche Hilfestellungen und erfahren aus erster Hand die Vor- und Nachteile des Carsharing-Angebots. Darauf aufbauend werden wir nach circa drei Monaten eine ausführliche Analyse der bisherigen Nutzung durchführen. Auf Grundlage der dann vorliegenden Ergebnisse werden wir die nächsten Schritte planen. Offene Fragen dabei sind beispielsweise: Ist der angegebene Ausleihzeitraum (maximal 1 Tag) ausreichend oder zu lang? Wie ist die generelle Auslastung des Fahrzeugs? Gibt es Bedarf an weiteren Fahrzeugen? Über die Ergebnisse werden wir im Anschluss sicherlich erneut berichten.

Welche Optionen gibt es?

Wenn wir feststellen, dass das Fahrzeug sehr häufig gebucht wird, könnte auch noch ein zweites E-Auto bereitgestellt werden. Diese Möglichkeit haben wir bereits angedacht. Nach einem Jahr soll das Carsharing – wenn unsere Erfahrungen damit positiv sind – um einen Nutzerkreis über die QuarZ-Einwohnerschaft hinaus erweitert werden. Außerdem planen wir, die Mobilitätsstation mit anderen Carsharing-Diensten zu verknüpfen. Dazu würden entsprechende Kooperationen abgeschlossen. Auch Sharingangebote um weitere E-Fahrzeuge, beispielsweise Lastenräder, könnten angeknüpft werden. Das Problem bei E-Lastenrädern ist jedoch, dass sie nicht an unsere Ladesäule passen. Wir bräuchten dazu also eine zusätzliche Säule und einen separaten Stellplatz.

Wie fällt das Fazit aus?

Dank des Forschungsprojekt haben die Bewohner die Möglichkeit, Carsharing und E-Auto kennenzulernen – und wir als Stadtwerke können gemeinsam mit unseren Projektpartnern schauen, wie diese Angebote angenommen und gegebenenfalls verbessert werden können. Das ist das schöne an diesem Vorhaben, das Geld vorhanden ist, Dinge auszuprobieren und zu optimieren. Von diesen Erkenntnissen können dann später auch andere Wohnquartiere profitieren.

https://www.quartier-der-zukunft.de

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